Erfahrungen eines Neo-Rennleiters, Bericht zum SM 1 E10OR beim EMBCM in Freienbach

Martin Weidmann hat sich für 2020 zur Verfügung gestellt, um bei den E10OR SM-Läufen die Aufgabe des Referees zu übernehmen. Am 22./23.02.2020 erfolgte die Feuertaufe für den „frischgebackenen“ Rennleiter. Er hat seine Erfahrungen dabei in einem tollen Bericht festgehalten. Lest selbst, wie er seine Premiere erlebt hat:

Je näher der Termin des ersten E10OR-SM-Laufs heranrückte, desto nervöser und kribbeliger wurde ich? Ich war noch nie Rennleiter. Nicht mal bei einem Feld-Wald-und-Wiesen-Club-Rennen. Und nun stand also gleich ein Meisterschaftsrennen an? Ich bereitete mich mit dem Regelstudium und dem Erstellen von Rennleiter-Unterlagen auf meine Aufgabe vor. Zu den Regeln ist aus meiner Sicht zu sagen, dass da, was den Rennleiter betrifft, nicht viel Konkretes zu finden ist.

 

Die anfängliche Nervosität verringerte sich von Lauf zu Lauf. Ich muss sagen, dass das Rennleiter-Amt schon sehr anspruchsvoll ist. Man sollte die ganze Strecke im Blick haben und sich darüber im Klaren sein, wo die Spitze ist, wer mit wem im direkten Zweikampf steht oder wo in Bälde sich ein solcher Zweikampf entwickeln könnte. Speziell im Fokus ist natürlich der jeweilige Spitzenfahrer. Dieser sollte nicht durch Überrundungen gefährdet oder behindert werden. Ich finde allerdings, dass auch die hinteren Fahrer Aufmerksamkeit verdienen. Mein Anspruch ist es also, nicht nur den Führenden im Auge zu behalten, sondern auch den 2.-,3.-,4.- oder gar den 8.- Platzierten. Ich versuche, diesem Anspruch gerecht zu werden, indem ich permanent abchecke, wo Positionskämpfe im Gange sind. Dazu muss auch immer wieder ein Blick auf den Zeitmess-Monitor geworfen werden. Wenn alle Fahrzeuge über den gesamten Track verteilt fahren, ist es einfach. Da bleibt nicht viel zu tun. Bei nur einer «Kampf»-Gruppe geht es auch noch. Da habe ich diese im Fokus. Wenn nun aber gleichzeitig 2, 3 oder gar mehr solche potenziellen «Krisenherde» auf der Rennstrecke ihre Runden drehen, wird es sehr, sehr schwierig. Da muss entschieden werden, wo der Blick hingehen soll. Ich versuche dabei nach der aktuellen Rangliste vorzugehen. Je besser die Platzierung, desto höher meine Rennleiter-Aufmerksamkeit. So kann es natürlich vorkommen, dass ein anderes unerwünschtes oder gar unerlaubtes Geschehnis unbeachtet bleibt. Besonders erfreulich ist es in solchen Fällen, wenn sich Fahrer von sich aus fair verhalten und evtl. warten oder ein anderes Fahrzeug wieder überholen lassen. Das finde ich dann ganz grosses Kino! Übrigens: Ich habe auch das Bild eines «inneren Schiedsrichters» im Kopf. Ich glaube, dass jeder Fahrer im Grunde ganz genau weiss und bemerkt, wenn er sich unkorrekt oder grenzwertig verhalten hat. Die Kunst besteht dann einfach darin, selbstdisziplinarisch auf seinen «inneren Schiedsrichter» zu hören und sich dementsprechend zu verhalten. Ein grosser Anspruch, klar. Aber es gab auch in Freienbach immer wieder Fahrer, die sich genau so verhalten haben. Bravo und «Chapeau»!

 

Und dann kommen Fehler vor, logisch. Mir ist es ein Anliegen, dass die Fahrer mir abnehmen, dass ich mein Bestes gebe. Manchmal reicht dies jedoch nicht und ich fälle harte, gar falsche oder ungerechte Entscheide. Diese Entscheidungen («stop?n go») passieren in Sekundenbruchteilen. Was während eines Laufes meiner Ansicht nach nicht geht, ist, dass darüber diskutiert wird. Die anderen Fahrer haben ein Recht auf die volle Aufmerksamkeit des Rennleiters. Nach dem Lauf oder evtl. nach der Serie ist es mir aber durchaus wichtig, gewisse Entscheide zusammen mit den Betroffenen zu analysieren und zu diskutieren. Das sind echte Lern- und Entwicklungschancen sowohl für mich, aber auch für den betroffenen Fahrer. Ich nehme es durchaus auf mich, wenn ein Pilot auf dem Fahrerpodest im Moment findet, der Rennleiter ist ein A?.loch. Das darf in den Emotionen durchaus sein. Mir ist es jedoch überaus wichtig, dass dieser Gedanke nach dem Rennen schnell wieder verraucht. Ich glaube, auch dies haben wir (Fahrer und Rennleiter) in Freienbach einige Male erleben dürfen.

 

Abschliessend darf ich sagen, dass es für mich persönlich eine super Erfahrung war, dieses Rennleiter-Wochenende. Die vielen positiven Rückmeldungen geben mir «Pfupf», freuen und motivieren mich, weitere solche Rennen mit meinen E10OR-Kollegen zu erleben. Ich danke allen Beteiligten dafür.

 

Martin Weidmann, 25.02.2020